20.01.2016 |

Sozialrecht: Selbständiger Schlosser siegt gegen gesetzliche Unfallversicherung

Handwerker, die einen Arbeitsunfall erleiden, werden oft ein zweites Mal abgestraft.

Bild: © fotodo - Fotolia.com

Dann nämlich, wenn die gesetzliche Unfallversicherung mit fadenscheinigen Argumenten die Zahlung verweigert.

Das Landessozialgericht München gab kürzlich einem Schlosser Recht. Dieser war freiwillig in der gesetzlichen Unfallversicherung versichert. Unmittelbar vor dem Unfall hatte der Schlosser von 6 bis 7 Uhr morgens sein Fahrzeug mit Werkzeug und Material beladen. Anschließend begab er sich in den ersten Stock des Treppenhauses des Mehrfamilienhauses, wo sich seine Wohnung einschließlich Büro befand. Dort wollte er sich vor seiner Wohnungstür die Arbeitssicherheitsschuhe anziehen. Um diese zuzubinden, hockte er sich hin, wobei er das Gleichgewicht verlor und die Treppe hinunterstürzte. Direkt im Anschluss hätte er zu seinem rund 50 Kilometer entfernt wohnenden Kunden fahren wollen.

Gesetzliche Unfallversicherung verweigert Zahlung

Der Schlosser erlitt eine komplizierte Verletzung der Brust- und Lendenwirbelsäule. Doch die gesetzliche Unfallversicherung verweigerte die Zahlung der Heilbehandlung und den Ausfallschaden im Betrieb. Beim Anziehen der Sicherheitsschuhe habe es sich lediglich um eine unversicherte Vorbereitungshandlung gehandelt.

Von dieser Argumentation hielten die Münchener Landessozialrichter allerdings gar nichts (Az.: L 3 U 313/12). Das Anziehen von Arbeitssicherheitsschuhen im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses stelle jedenfalls dann eine versicherte Tätigkeit dar, wenn bereits zuvor Verrichtungen vorgenommen worden waren, die der versicherten Tätigkeit zuzuordnen sind. Im konkreten Fall hatte der Schlosser morgens schon eine Stunde den Wagen mit Werkzeugen beladen – er war also schon mitten bei der Arbeit. Deshalb war das Anziehen der Arbeitssicherheitsschuhe Teil der eigentlich versicherten Tätigkeit des Schlossers.

 
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