Finanzen -

Baufinanzierung Regierung lockert Kreditvorgaben wieder

Die Bundesregierung lockert die Auflagen für die Vergabe von Immobilienkrediten wieder – dabei hatte sie die Richtlinien erst vor einem halben Jahr kräftig verschärft. Schuld daran waren EU-Vorgaben, die strikt in deutsches Recht umgesetzt wurden.

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Die strengen Kredit-Vorgaben bei der Immobilienfinanzierung waren eine Konsequenz der großen Finanzkrise: Banken sollten nun EU-weit ihre Kredit-Kunden noch strenger prüfen, um eine Immobilienblase auszuschließen. Die Lebenserwartung der Kunden gilt jetzt noch stärker als Kreditausfall-Risiko. Und: Häufig wurden künftige Wertsteigerungen bei der Vergabe von Baukrediten nicht berücksichtigt. Sparkassen und Raiffeisenbanken schlugen deshalb Alarm.

Regierung bessert nach

Nach verschiedenen Medienberichten soll das Kabinett noch vor Weihnachten einen entsprechenden Regierungsentwurf von Justizminister Maas beschließen.

Die Anforderungen an eine Kreditvergabe sind seit der Einführung der EU-Wohnimmobilienkreditrichtlinie sehr hoch und schwer einzuschätzen: Die Banken dürfen nach der neuen Regelung einen Verbraucher-Immobilienkredit nur dann vergeben, wenn wahrscheinlich ist, dass das Darlehen zu Lebzeiten aus dem laufenden Einkommen zurückgezahlt werden kann.

Schwere Zeiten für junge Familien und Senioren

Der Wert der Immobilie findet dabei keine Berücksichtigung. Diese Regelung hat dazu geführt, dass die Banken an Verbraucher, vor allem an junge Familien mit unsicherer Einkünfteprognose und Senioren, keine Kredite mehr vergeben haben.

Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) zeigt sich erfreut über die Ankündigung von Heiko Maas, Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz, beim deutschen Gesetz zur europäischen Wohnimmobilienkreditrichtlinie nachbessern zu wollen. „Wir begrüßen es, dass die deutschen Regelungen zum Wohnimmobilienkredit korrigiert werden. Wichtige Kundengruppen wie junge Familien und ältere Bürger dürfen nicht weiter von der Vergabe von Immobilienkrediten ausgeschlossen werden“, erklärt Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR).

Banken erfreut über Nachbesserung

„Die Bundesregierung sollte die in der europäischen Richtlinie gegebenen Gestaltungsmöglichkeiten nutzen, um unnötige Erschwernisse beim Kreditzugang zu beseitigen und die Rechtssicherheit im Immobilienkreditgeschäft wiederherzustellen. Die derzeitige Regelung ist auch ein Beispiel, wie sich überzogene Verbraucherschutzregelungen letztlich gegen den Verbraucher richten können“, erklärt Fröhlich.

Baukredite werden teurer

Allerdings scheinen die Zeiten der historisch niedrigen Zinsen für Baufinanzierungen auch zuende zu gehen: Bereits Ende November hat die KfW-Bankengruppe die Zinsen für ihre geförderten Baukredite um bis zu 0,35 Prozentpunkte angehoben. Die Ing-Diba, einer der größten Baufinanzierer der Republik, erhöhte ebenfalls die Zinsen: um 0,2 Prozentpunkte über alle Zinsbindungen. Die Deutsche Bank, HVB und Postbank hatten die Zinsen schon zuvor angehoben.

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