Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie hat als Konsequenz aus dem Pfusch beim Kölner U-Bahn-Bau die umfassende Reform der derzeitigen Vergabepraxis gefordert. Der extreme Preisdruck bei allen am Bau Beteiligten führe dazu, dass Risiken verdrängt werden. Dazu würden durch eine Fülle von Vertragsklauseln Verantwortlichkeiten verwischt. Das erklärte Hauptgeschäftsführer Michael Knipper in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Freitag.
Wichtig sei jetzt, schnell die richtigen Lehren daraus zu ziehen. "Wir brauchen eine völlig neue Kultur bei den Ausschreibungsverfahren, und das möglichst schon bei 'Stuttgart 21', dem nächsten Mega-Projekt der Bauindustrie", forderte Knipper. Statt extremer Verrechtlichung bräuchte die Baubranche die offene Benennung möglicher Risiken und die klare Zuweisung der Verantwortung. Auftraggeber und Bauunternehmen sollten schon im Vorfeld klären, dass Sicherheit ihren Preis habe.
Er warnte vor einer einseitigen Schuldzuweisung an die Baufirmen beim Kölner U-Bahn-Bau. "Auch die Bauaufsicht hat versagt", kritisierte Knipper in der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Zudem sei nicht bewiesen, dass die Fehler beim U-Bahn-Bau den Einsturz des Kölner Stadtarchivs bewirkt hätten. "Den Imageschaden trägt dennoch die Bauindustrie", beklagte Knipper.
Als erste konkrete Maßnahme müsse in den Bauunternehmen und bei der Bauaufsicht die Qualitätsüberwachung verbessert werden. Darüber hinaus ist es laut Knipper zwingend erforderlich, dass die Auftraggeberseite ihre Bauaufsicht nicht nur delegiert, sondern ihren bauaufsichtlichen Pflichten direkt nachkommt.
(ddp/sel)
Ihr Kommentar zu diesem Artikel
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Login