Markt

Ausgabe 3/2010

Raffke und Geiz-ist-geil sind out

Bild: Axel Griesch
Holger Externbrink, Chefredakteur handwerk magazin.

Es ist still in Deutschland. Keine Wut, kein Aufbegehren, keine Demonstrationen. Nach dem schlimmsten Wirtschaftseinbruch seit dem Krieg scheint das Land so weiterzumachen, als wäre nichts geschehen. Banker raffen wieder ihre Boni, die Politiker verteilen unbezahlbare Steuergeschenke, die Gewerkschaften fordern wie immer „Mehr“.

Doch die Veränderung beginnt. Sie beginnt an der Basis, bei den Kunden. Die Discounter spüren es schon. Erstmals ist der Umsatz von Aldi geschrumpft.

Immer mehr, immer billiger funktioniert nicht mehr. Die Wirtschaft ändert sich, muss sich ändern. In den letzten Jahrzehnten, so der jüngst verstorbene Soziologe, Politiker und Publizist, Ralf Dahrendorf, haben wir die Schwelle vom Konsum- zum Pumpkapitalismus genommen, sind vom Realen ins Virtuelle gewechselt und von der Wertschöpfung zum Derivatenhandel geeilt. Stete Begleiterscheinung: Kurzatmigkeit und sofortige Bedürfnisbefriedigung. Das Tempo können und wollen die Verbraucher nicht mehr mitgehen. Sie sind verunsichert, verlangen Aufschub, Sicherheit, Verlässlichkeit. Es ist Zeit für den nächsten Schritt.

Sensible Handwerksunternehmer, so sie die Hatz überhaupt je mitgemacht haben, erkennen die sich verändernden Kundenbedürfnisse. Wie Bauunternehmer Stefan Rüpke. Der Handwerker, den handwerk magazin-Redakteurin Kerstin Meier für die aktuelle Titelgeschichte besuchte, bietet seinen Kunden die Sicherheit, die sie verlangen. „Ehrlich, fair und zuverlässig“, lautet sein Motto. Jedes Haus bauen er und seine Mitarbeiter selbst, er bürgt für die Verwendung gesunder Materialien, garantiert einen festen Preis. Und hat damit großen Erfolg. Gerade das Handwerk kann von den neuen Bedürfnissen der Kunden profitieren, weil es viele dieser neuen alten Werte lebt: Solidität, Nachhaltigkeit, Wertigkeit. –

Stille muss nicht Stillstand bedeuten.

Holger Externbrink, Chefredakteur

holger.externbrink@handwerk-magazin.de

 
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