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Nachfolge im Handwerk Wie es mit der Finanzierung klappt

Viele Nachfolger im Handwerk stehen jetzt vor die Herausforderung, eine passende Finanzierung aufzustellen. Was Jungunternehmer dazu wissen sollten, sagt Walter Weik, Generalbevollmächtigter der Landesförderbank L-Bank, Baden-Württemberg.

Themenseiten: TS Fördermittel und TS Gründungsfinanzierung

Jeder sechste mittelständische Unternehmer in Deutschland plant, bis zum Jahr 2018 sein Unternehmen an einen Nachfolger zu übergeben oder zu verkaufen. Das sind 620.000 Unternehmen mit etwa vier Millionen Beschäftigten, wie eine aktuelle Studie von KfW-Research auf Basis des repräsentativen KfW-Mittelstandspanels zeigt.

Der Generationenwechsel im deutschen Mittelstand legt damit deutlich an Tempo zu: Vor drei Jahren berichteten noch 14 Prozent oder 530.000 Mittelständler von einer kurzfristig anstehenden Nachfolge.

Jede Übergabe eines Handwerksbetriebs steht und fällt mit der passenden Finanzierung. Walter Weik, Generalbevollmächtigter der L-Bank in Baden-Württemberg und Leiter Bereich Wirtschaftsförderung, erklärt im Interview mit handwerk magazin, worauf es bei einer Nachfolgefinanzierung ankommt.

Die Nachfrage nach Nachfolgefinanzierungen steigt 2016, das berichten andere Förderinstitute. Können Sie diesen Trend für Baden-Württemberg bestätigen?

Walter Weik: Auch bei der L-Bank ist das Volumen von Übernahmefinanzierungen in den letzten Jahren konstant gestiegen: von 123 Millionen Euro im Jahr 2012 auf 202 Millionen Euro im Jahr 2015. Dabei waren die Finanzierungen 2015 im Durchschnitt um fast 25 Prozent größer als 2012. Ein Trend, der sich im laufenden Jahr weiter verstärkt hat.

Was sehen Sie als Gründe für eine steigende Nachfrage im Handwerk in Baden-Württemberg?

Unsere Partner bei den Handwerkskammern berichten über zwei wichtige Trends: Die steigende Zahl externer Übernahmen und die deutlich gestiegenen Firmenwerte. Beides führt zu einem steigenden Kapitalbedarf von Übernehmern und beeinflusst auch die Nachfrage nach Förderkrediten. Besonders bemerkenswert ist diese Entwicklung angesichts der im vergangenen Jahr durchgeführten Gründer-Studie der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW), nach der die absolute Zahl der Übernahmen in Baden-Württemberg zuletzt rückläufig war. Förderkredite werden zudem bei Unternehmensnachfolgen überproportional häufig eingesetzt. Das zeugt davon, wie wichtig und attraktiv Förderkredite in der Nachfolgefinanzierung sind.

Worauf achtet die L-Bank als Förderinstitut bei einer Nachfolgefinanzierung besonders stark?

Die Unternehmensfinanzierung über Förderkredite erfolgt im sogenannten Hausbankenverfahren. Hierbei ist die Hausbank der Vertragspartner des Unternehmens. Sie bespricht mit dem kreditsuchenden Nachfolger die Gesamtfinanzierung, denn ein Förderkredit ist meist nur Teil eines gesamten Finanzierungspaketes. Die Bank prüft insbesondere die Angemessenheit des Übernahmepreises und gestaltet unter Berücksichtigung der verfügbaren Sicherheiten und Eigenmittel eine optimale Finanzierungsstruktur – in aller Regel unter Einbeziehung von Förderkrediten. Häufig werden dabei auch zusätzliche Bürgschaften und stille Beteiligungen eingebunden. Zum Beispiel, wenn die Sicherheiten nicht ausreichen und die Hausbank daher mit der Kreditvergabe zögert.

Sind Förderkredite auch in der Niedrigzinsphase attraktiv?

Die Förderkredite der L-Bank sind für die Übernehmer auch in der Niedrigzinsphase konditionell äußerst attraktiv und werden von den Hausbanken zunehmend als sichere und langfristige Refinanzierungsgrundlage geschätzt. So entsteht mit unseren Produkten ein Mehrwert für alle Beteiligten.

Was ist für eine Finanzierung entscheidend?

Eine Unternehmensnachfolge zu gestalten, ist eine sehr komplexe Sache, die für die Beteiligten neu - in aller Regel einmalig – und sehr facettenreich ist. Daher empfehlen wir, sich frühzeitig mit der Thematik zu befassen und den Rat von Experten, zum Beispiel von den Handwerkskammern, einzuholen. In rechtlichen, steuerlichen, aber auch sozialen Fragen ist der Blick von außen oft sehr wertvoll und hilft dabei Fehlentscheidungen, die leicht existenziell werden können, zu vermeiden. Ich denke hierbei zum Beispiel an unentdeckte Investitionsstaus, die nicht selten zu Nachfinanzierungsbedarf führen.

Was empfehlen Sie?

Ich empfehle unseren Kunden, die gemeinsamen Finanzierungssprechtage der Kammern, L-Bank und Bürgschaftsbank zu nutzen. Abseits von Finanzierungsfragen leistet auch das Land mit seinen geförderten Coachings und Beratungsgutscheinen beispielhafte Unterstützung.

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