Arbeitsschutz und Gesundheit
19.03.2016 |

Kurzinterview: Die Krankschreibung ist eine Prognose

Zur Arbeit gehen, obwohl man eigentlich krankgeschrieben ist? Ist man da versichert und worauf sollte man achten? Matthias Bradatsch, Facharzt für Arbeitsmedizin bei der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie, erklärt die wichtigsten Punkte.

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Bild: Berufsgenossenschaft Rohstoffe

Angenommen meine Hausärztin schreibt mich wegen einer fiebrigen Erkältung eine gute Woche krank. Nach drei Tagen fühle ich mich aber schon wieder fit und gehe arbeiten. Bin ich dann trotzdem gesetzlich unfallversichert?

Bradatsch: Ja, das sind Sie. Die Krankschreibung ist eine Prognose des behandelnden Arztes oder Ärztin. Sie hat keinen Einfluss auf die Wirksamkeit des Schutzes der gesetzlichen Unfallversicherung. Der greift in jedem Fall – bei der Arbeit und auf dem Weg dorthin und wieder nach Hause. Ein häufiger Irrtum ist auch, es gebe eine „Gesundschreibung“. Die gibt es nicht.

Wenn es grundsätzlich im Ermessen der Rekonvaleszenten liegt, auch vor Ende des Termins auf der AU-Bescheinigung wieder arbeiten zu gehen, worauf sollte man achten?

Bradatsch: Der oder die Beschäftigte dürfen durch die Aufnahme Ihrer Tätigkeit die eigene Genesung nicht gefährden. Darüber hinaus sollten sie aber auch an die Kolleginnen und Kollegen denken. Bei ansteckenden Krankheiten sollte ausgeschlossen werden, dass sie noch übertragbar sind. Um das einzuschätzen, hilft im Zweifel nur Rücksprache mit dem Arzt.

Laut Umfrage arbeiten 45 Prozent der Führungskräfte auch dann,  wenn er oder sie gesundheitlich angeschlagen ist. Geben sie damit ein gutes Beispiel?

Bradatsch: Nein, sie geben meiner Meinung nach kein gutes Beispiel. Abgesehen von den Gefahren für die eigene Gesundheit erzeugen sie einen sozialen Druck auf ihre Belegschaft. Wer wird sich in so einem Klima noch trauen, seinen grippalen Infekt auszukurieren? Bevor man vorschnell wieder zur Arbeit geht, sollt man bedenken: Der Arzt oder die Ärztin haben einen Grund für ihre Prognose. Sie entscheiden auf der Basis ihrer medizinischen Erfahrung.

 
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