Lohnsteuerkarte wird digital

2012 wird die Lohnsteuerkarte abgeschafft. Ganz einfach ist der Onlinetransfer nicht. Worauf Chefs und Mitarbeiter achten müssen.

Ein fast schon lieb gewonnenes Ritual gehört bald endgültig der Vergangenheit an. Mitarbeiter müssen keine farbige Lohnsteuerkarte aus Pappe mehr im Betrieb abgeben, Änderungen bei der Stadt oder vom Finanzamt eintragen lassen. Mit den Elektronischen Lohnsteuer-Abzugs-Merkmalen (ELStaM) stehen die Daten der über
40 Millionen Mitarbeiter in Deutschland in Kürze online für die Lohnabrechnung zur Verfügung. ElsterLohn II heißt das Großprojekt, dessen Zeitplan wiederholt verlängert wurde:

Zunächst sollte die E-Lohnsteuerkarte Anfang 2011 kommen und wurde auf 2012 verschoben. „Die Daten für den Test der Lohnprogramme
haben wir bis Juli erwartet, dann nannte das Bundesfinanzministerium Mitte November“, sagt Stefan Ebert, Leiter Produktmanagement Personalwirtschaftssysteme der Datev in Nürnberg, die monatlich 10,5 Millionen Lohn- und Gehaltsabrechnungen erstellt. Ende Oktober hat das Bundesfinanzministerium eine weitere Verzögerung des Starts von Elster Lohn II angekündigt. Als neuer Termin ist jetzt der 1. April oder der
1. Juli 2012 im Gespräch. Bis dahin bleibt die alte Lohnsteuerkarte von 2010 weiterhin gültig. Doch die Betriebe und ihre Mitarbeiter müssen sich schon jetzt gut vorbereiten.


Wie läuft die Umstellung?

Im Oktober und November sollen alle Arbeitnehmer ein Schreiben des Finanzamts mit ihren ElStaM (Datenstand 16.9.2011) erhalten haben. Dazu gehören wie bei der Lohnsteuerkarte die Steuerklasse, das Kirchensteuermerkmal, die Zahl der Kinderfreibeträge und eventuell der Pauschbetrag für Behinderte oder Hinterbliebene (zu den anderen Freibeträgen siehe rechts oben). Die Daten speichert das Bundeszentralamt für Steuern in Bonn und stellt sie den Betrieben online über elster.de für die Lohnabrechnung zur Verfügung.

Was müssen Mitarbeiter machen?

Sie überprüfen, ob ihre ElStaM richtig sind. Fehler teilen sie dem Finanzamt mit einem Vordruck (siehe Online exklusiv) und Belegen schriftlich per Post mit. Spätere Änderungen wie Heirat, Geburt eines Kindes, Kirchenaustritt, melden die Kommunen der Finanzverwaltung. Freibeträge muss der Mitarbeiter beim Finanzamt per Vordruck und Post beantragen, auch wenn sie auf der Lohnsteuerkarte 2010 bereits eingetragen sind (Online exklusiv). Stimmen alle Angaben, nennt der Mitarbeiter dem Chef seine Steuer-ID. Die weiteren erforderlichen Angaben für den Datenabruf des Betriebs wie Geburtsdatum und ob es sich um eine Haupt- oder Nebenbeschäftigung handelt, sind im Lohnbüro meistens bekannt.


Was müssen Betriebe beachten?

Die Betriebe oder ihre Lohnabrechnungsdienstleister müssen zum Start die ElStaM und danach Änderungen der Merkmale jeden Monat für jede Lohnabrechnung online abrufen. Auf Antrag teilt Elster per E-Mail mit, ob Änderungen eingegangen sind. Die Merkmale muss der Betrieb auf der Lohnabrechnung und im Lohnkonto notieren. Hat ein Mitarbeiter innerhalb von drei Monaten nach dem Start dem Betrieb seine Steuer-ID nicht mitgeteilt, muss dieser mit der schlechtesten Lohnsteuerklasse VI abrechnen. Scheidet der Mitarbeiter aus, erlischt die Abrufbefugnis des Betriebs. Der nächste Arbeitgeber meldet sich dann für ihn über das Elster-Online-Portal an.

harald.klein@handwerk-magazin.de

Online-Tipp: Weitere Tipps zu ElsterLohn II mit praktischen Links zur Finanzverwaltung (FAQ-Liste, Anträge) und zur Datev: handwerk-magazin.de/lohnsteuer

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