Finanzen
31.08.2007
Geldsegen via Web
Kreditvergabe | Diverse Onlineplattformen sind in Deutschland ins Kreditgeschäft eingestiegen. Finanzexperten bezweifeln aber, dass alle Anbieter auch wirklich seriös arbeiten.
Eine neue Lösung bei Geldproblemen bietet seit Januar das Internet. Gleich mehrere Onlineplattformen sind dort an den Start gegangen, die Kredite von Privatpersonen vermitteln. Kreditnehmer können ebenfalls Privatpersonen sein und bei den meisten Anbietern auch kleinere bis mittlere Unternehmen.
Auf den ersten Blick ist die Idee bestechend, zumal die Homepages von Elolly, Auxmoney & Co. versprechen, dass beide Seiten davon profitieren. Wer Geld braucht, soll Zinsen und Bearbeitungsgebühren sparen. Wer Geld verleiht, bekommt nicht nur gute Zinsen, sondern darf sich auch noch moralisch auf die Schulter klopfen.
Ganz so einfach, wie die Sache aussieht, ist sie aber nicht, warnen Finanzexperten. Nach Aussage von Stiftung Warentest agiert derzeit nur ein ernstzunehmender Anbieter im Markt der neuen Onlinekreditgeber: Smava. Mitgegründet hat das junge Unternehmen der ehemalige Geschäftsführer von Ebay Deutschland, Jörg Rheinboldt. Das Geschäftsmodell von SOS Money soll in eine ähnliche Richtung gehen.
Dabei gibt es einen wesentlichen Unterschied, der das Konzept von Smava in den Augen von Experten weit seriöser erscheinen lässt als die Modelle der Konkurrenz. Denn auf der Smava-Homepage werden alle Transaktionen tatsächlich abgewickelt, und das eigentliche Kreditgeschäft läuft über eine Bank, die neu gegründete BIW in Willich.
Die Geschäftsmodelle von Elolly und Auxmoney funktionieren dagegen wie bekannte Kontaktplattformen. Die Anbieter sorgen lediglich dafür, dass die Parteien sich kennenlernen, und fühlen sich für nichts weiter verantwortlich. Gerade für die Kreditgeber kann das kostspielige Konsequenzen haben.
Denn die Geldgeber müssen selbst sicherstellen, dass potenzielle Kreditnehmer auch die sind, für die sie sich ausgeben. Die Identitätsfeststellung über ein sogenanntes Postidentverfahren ist dabei noch das geringste Problem. Wer Geld zur Verfügung stellt, muss nämlich selbst einen realistischen Zinssatz finden, sich selbst um Sicherheiten der Kreditnehmer kümmern – und hat dann im Falle eines Ausfalls auch noch jede Menge Scherereien.
Auch Kreditnehmer bewegen sich schnell am Rande des Erlaubten: Wenn sie zum Beispiel fremdes Geld als Einlagen annehmen oder diese Kredite der laufenden Finanzierung kleiner oder mittelständischer Unternehmen dienen.
Aus Sicht der Experten ist das aber nur ein Problem von vielen. Datenschützer warnen bereits vor der Teilnahmebedingung, dass nur mitmachen kann, wer zunächst eine gigantische Menge hochbrisanter persönlicher Informationen eingibt und dafür auch noch zahlt. Eine Garantie, wirklich einen Kredit zu bekommen, gibt es für Interessenten bei Elolly beispielsweise nicht. Ebensowenig bekommt der potenzielle Kunde die 9,50 Euro Gebühr zurück, wenn sich für ihn kein Partner auf der Plattform findet.
Auch bei der Zielgruppenauswahl unterscheiden sich die Konzepte der Anbieter: Smava beschränkt zum Beispiel sein Angebot eindeutig auf Privatkredite, während die im Juli gestartete Plattform von SOS Money sich auch an Existenzgründer und Unternehmen richtet. So wie auch Elolly und Auxmoney gewerbliche Kunden im Blick haben.
Darüber hinaus wird es bei SOS Money – ähnlich dem Ebay-Prinzip – auch eine Auktion von Krediten geben. Ein Angebot, das von Verbraucherschützern massiv kritisiert wird. Als „geradezu fatal“ bezeichnet Stefanie Laag, Finanzexpertin bei der Verbraucherzentrale NRW, „wenn zur Geldnot auch noch das spielerische Element kommt“. Wer jemals bei Ebay mitgemacht habe, so Laag weiter, wisse, wie schnell es passieren kann, dass man am Ende viel mehr zahlt als geplant. „Wenn sich dann jemand auf überhöhte Zinsen einlässt, kann das schnell in die Katastrophe führen.“
Sabine Hildebrandt-Woeckel
cornelia.hefer@handwerk-magazin.de
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