Finanzen

SH: Gründer 2009

Geld vom Staat

Fördermittel | Günstige Kredite vom Staat sind heute so vielseitig wie die Bedürfnisse von Existenzgründern. Doch eines haben sie gemeinsam: Die Zinsen sind günstig. Damit passen sie optimal zum schmalen Budget der ersten Unternehmerjahre.

Bild: Rönnefarth + Ulmann
Gelungene Expansion dank Unternehmerkredit: die Schreiner Maik Rönnefarth (rechts) und Boris Ulmann.

Fast ohne Kapitalbedarf im Team zu gründen gilt gewöhnlich als riskant. Doch Maik Rönnefarth und Boris Ulmann benötigten bei ihrer Gründung 2003 weder einen Kredit von der Bank noch Fördermittel für Existenzgründer wie zum Beispiel KfW-Startgeld oder ERP-Kapital für Gründung (siehe Tabelle rechte Seite). Das änderte sich jedoch schnell, denn ihr Betrieb entwickelte sich entgegen den Erfahrungen aus dem KfW-Gründungsmonitor hervorragend. Statt wie die anderen Teamgründer im Durchschnitt nach drei Jahren vom Markt zu verschwinden, beschäftigt die Schreinerei Rönnefarth in Dernau bei Bad Neuenahr sechs Jahre nach der Gründung nicht nur zwölf Angestellte sowie zwei freie Mitarbeiter, sondern will auch expandieren.

Zusage in 12 Stunden

Die Auftragslage des jungen Teams ist auch im Krisenjahr 2009 „sehr gut“, wie Maik Rönnefahrt sagt. In den vergangenen Jahren hat sie sich sogar so gut entwickelt, dass das Unternehmen 2008 wegen Platzmangels „aus allen Nähten platzte“. Doch eine günstige Gelegenheit ergab sich, als das Nachbargrundstück inklusive Gebäude, ein altes Weingut, versteigert werden sollte. Rönnefarth wollte zugreifen und sprach mit der Kreissparkasse über seine geplante Erweiterungsinvestition. Der Berater schlug eine Finanzierung über den „Unternehmerkredit“ der KfW-Mittelstandsbank vor. „Die Bank hat unseren Kreditantrag geprüft und an die KfW weitergereicht. Nach zwölf Stunden hatten wir das Okay von der Förderbank. Das hat super geklappt und war so einfach wie einkaufen gehen“, freut sich der heute 33-jährige Rönnefarth im Nachhinein.

Dass die Kreditbewilligung so reibungslos vonstattenging, lag sicherlich daran, dass sein Steuerberater sämtliche Unterlagen sehr gut vorbereitet habe, so der Unternehmer. 430000 Euro kostete das benachbarte Weingut. Die KfW-Mittelstandsbank sagte der Schreinerei einen „Unternehmerkredit“ über 350000 Euro zu. „Den Rest haben wir über unser Eigenkapital finanziert“, erklärt Maik Rönnefarth stolz.

Auch kurze Laufzeit möglich

Der KfW-Unternehmerkredit für Investitionen bis zu 10 Millionen Euro ist seit Jahren ein Dauerbrenner der KfW- Mittelstandsbank. Im Sommer 2008 hat die KfW ihren Kundenliebling noch verbessert. Jetzt können Kreditnehmer auch kurze Kreditlaufzeiten ab fünf Jahren wählen, die im momentanen Zinstief sehr attraktiv sind. Zudem bekommen kleinere Unternehmen mit unter 250 Mitarbeitern und weniger als 50 Millionen Euro Jahresumsatz bessere Konditionen. Damit reagierte die KfW auf die angespannte Situation der Klein- und Mittelunternehmen an der Finanzierungsfront. Nach wie vor sind sie weit häufiger von Finanzierungsschwierigkeiten betroffen als größere Unternehmen. Zum Beispiel nannten 73 Prozent der von der KfW befragten Unternehmen als eines von mehreren Finanzierungshindernissen „höhere Zinsen“.

Doch Existenzgründer sollten nicht nur auf den Zinssatz schielen. Wenn auch minimal, so ist eine Bereitstellungsprovision für einen bewilligten Kredit, den der junge Unternehmer jedoch noch nicht abfragt, einfach belastend. Auch die Auszahlungssumme ist ein wichtiges Indiz: Wird der Kredit nur zu 96 Prozent ausgezahlt, fallen bei einer Kreditsumme von 25000 eben noch einmal 1000 Euro Gebühren an, die sich die KfW und die Hausbank für die Bearbeitung teilen.

Generell stellt die KfW jedoch fest, dass Existenzgründer zunehmend eigene Mittel einsetzen. Und wenn sie zu externen Finanzierungen greifen, so bewegen sich bei 74 Prozent der Existenzgründer die Kreditsummen im Mikrofinanzbereich unter 25000 Euro.

Lisa Brandes
kerstin.meier@handwerk-magazin.de

 
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