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Factoring: Nutzen Sie die lukrative Geschäftsbeziehung

Der Forderungsverkauf (Factoring) ist eine gute Strategie, um liquide zu bleiben. Die Anbieter buhlen jetzt um die Gunst der kleineren Betriebe sowie der Baugewerke.

Themenseiten: TS Factoring und TS Liquiditätsmanagement

Zeit ist Geld. Warten kostet Nerven und Liquidität. Gerade wenn Kunden nur schleppend oder gar nicht zahlen, kann das schnell die Existenz eines Handwerksbetriebs bedrohen. Und der Forderungsverkauf stellt für Handwerksbetriebe eine gute Alternative zum Bankkredit dar.

Wie lagert der Betrieb seine Risiken aus?

Beim Factoring verkauft ein Unternehmen seine Forderungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen gegen seine Kunden fortlaufend an ein Factoringinstitut (siehe Grafik). Auf diese Weise erhält das Unternehmen sofort Liquidität unmittelbar aus seinen Außenständen. Der Factor prüft vor Vertragsabschluss und fortlaufend die Bonität der Abnehmer und übernimmt im Rahmen eines vereinbarten Limits das volle Ausfallrisiko.

Factoring verbessert aber nicht nur die Liquidität des Betriebs, sondern hatweitere Vorteile: „Die Kombination von Finanzierungs- und Sicherheitsfunktion macht Factoring für viele kleine und mittlere Unternehmen interessant. Denn mit dem Verkauf der Forderungen erhalten sie 100 Prozent Ausfallschutz“, erklärt Volker Ernst, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Factoring für den Mittelstand (BFM). Und der Ausfallschutz gilt als klarer Pluspunkt beim Rating.

Für wen ist Factoring überhaupt möglich?

Die Vorteile des Forderungsverkaufs kommen an: 2014 verzeichneten die deutschen Factoring-Gesellschaften insgesamt rund 19.000 Kunden. Der Umsatz belief sich auf 189,9 Milliarden Euro. Noch deutlicher zeigt sich diese Entwicklung bei mittelständischen Kunden: 2015 wuchs das Ankaufsvolumen um 8,5 Prozent (Vorjahr: 3,9 Prozent), meldet der BFM. Derzeit betreuen 26 Factoring-Gesellschaften aus dem BFM rund 5.700 KMU.

Ein positiver Trend für Kunden aus dem Handwerk: Das Factoring-Geschäft ist im Verlauf der letzten Jahre kleinteiliger geworden. „Factoring ist heute bereits ab einem Jahresumsatz von 100.000 Euro möglich“, sagt Martina Kleine, Geschäftsführerin der Nordwest Factoring und Service GmbH. Außerdem öffnet sich die Branche für VOB-Factoring (VOB: Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen). Handwerksbetriebe aus dem Bauhaupt- und Baunebengewerbe profitieren somit von speziellen Angeboten der Factoring-Gesellschaften (siehe Kasten links).

„Wichtig ist hier der Informationsaustausch. Als Factor sehen wir uns von interessierten Unternehmen die Bonität des Betriebs, den letzten Jahresabschluss, die offenen Forderungen sowie eine Schufa-Auskunft über den Inhaber an. Und wir legen im Vorfeld Wert auf ein persönliches Gespräch mit dem Unternehmer“, erklärt Geschäftsführerin Kleine. Arbeitet man zusammen, zahlt Nordwest- Factoring 80 Prozent der offenen Forderungen innerhalb von 48 Stunden und die restlichen 20 Prozent nach Eingang des jeweiligen Rechnungsbetrags.

Was kostet Factoring und was bringt es dem Unternehmer?

Die Preisgestaltung der Anbieter „setzt sich aus der Factoring-Gebühr und dem Factoring-Zins sowie den Gebühren für die Prüfung der Debitorenlimite zusammen“, erläutert René Behringer, Geschäftsführer bei Factoring.Capital, spezialisiert auf die Beratung von KMU, auch aus dem Handwerk. Die Factoring- Kosten liegen heutzutage zwischen zwei und maximal 3,5 Prozent des Ankaufsvolumens.

„Die Höhe der Gebühren und des Zinses richtet sich nach dem Umsatz und der Risikobewertung des Betriebs sowie nach der Höhe der offenen Forderungen. Auch die Anzahl der vom Factor zu bearbeitenden Rechnungen kann bei der Gebührenhöhe eine Rolle spielen“, so Behringer. Der Experte betont dabei auch die Serviceleistung: Factoring entlastet die Debitorenverwaltung inklusive Mahnwesen. Aufgrund der schnell verfügbaren Liquidität müssen lange Zahlungsziele nicht mehr überbrückt werden. Das erleichtert die Finanzplanung für den Unternehmer.

Welche Factoring-Verfahren werden angeboten?

Unterschiedliche Factoring-Varianten bieten Handwerksbetrieben verschiedene Leistungen. Neu ist das sogenannte VOB-Factoring für Unternehmen der Baubranche. Die wichtigsten Angebote der Factoren im Überblick:

  • Factoring:Unter Factoring versteht man den regelmäßigenAnkauf von Geldforderungen aus Warenlieferungenund Dienstleistungen durch einenFactor gegen sofortige Zahlung des Kaufpreisesund Übernahme des Forderungsausfallrisikos.
  • Full-Service-Factoring :Diese Variante ist in Deutschland bei kleinenund mittleren Unternehmen (KMU) diebeliebteste. Der Factor erbringt das volle Paketan Leistungen: Verbuchung der Debitoren undNachverfolgung der Zahlungseingänge (Debitorenmanagement),Mahnwesen und Inkasso,sowie Schutz vor Forderungsausfall. Zusätzlichnimmt der Factor eine laufende Bonitätsüberprüfungder Debitoren vor.
  • Echtes und unechtes Factoring :Zählt der Schutz vor Forderungsausfällen (Delkrederefunktion)nicht oder nur teilweise zumLeistungspaket, nennt man das Verfahren „unechtesFactoring“. Zahlt ein Kunde nicht, fällt dieForderung nach Eintritt des Zahlungsausfallswieder an den Factoringnehmer zurück. DieseVariante findet hier nur selten Anwendung.
  • Stilles Factoring:Beim stillen Factoring wird auf den Rechnungennicht kenntlich gemacht, dass dieForderungen an einen Factor verkauft werden.Die Debitoren werden in der Regel über einneues Zahlkonto oder eine neue Bankverbindunginformiert, an die sie zu zahlen haben. Sowird sichergestellt, dass die Zahlungen direktden Forderungsinhaber (Factor) erreichen. DerFactor tritt erst bei Mahnung in Erscheinung.
  • Bulk-Factoring:Buchhaltung und Inkasso bleiben hier imUnternehmen. Forderungen und Ausfallrisikenreicht der Betrieb an den Factor weiter.
  • VOB-Factoring:Das Verfahren ist eine Speziallösung fürHandwerksbetriebe aus dem Bauneben- undBauhauptgewerbe. Manche Factoren behaltenvon dem Vorschuss, neben einem Sicherheitsbehalt,auch einen Kaufpreisbehalt ein.So können Rückvergütungen, die durch dieVOB gewährleistet sind, aufgefangen werden.Interessierte Baubetriebe sollten sich im Vorfeldberaten lassen.
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