Wirtschaft
21.01.2010
Ein Drittel der Unternehmer nicht von der Krise betroffen
Trotz der schlimmsten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten sind 35 Prozent aller deutschen Unternehmen nicht von der Krise betroffen oder haben sogar von ihr profitiert. Das ist ein Ergebnis der Studie "Diagnose Mittelstand 2010" des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). Allerdings sieht die Hälfte der Befragten negative unternehmerische Perspektiven für 2010.
Die Aussichten für den deutschen Maschinenbau haben sich deutlich verbessert. Bild: ddp
Nur 10 Prozent sind für 2010 optimistisch und sehen positive Perspektiven. Weitere 45 Prozent gaben an, nur leicht von der Krise betroffen zu sein und die Folgen aus eigener Kraft bewältigen zu können.
20 Prozent sind allerdings stark betroffen, davon 5,6 Prozent in ihrer Existenz gefährdet. DSGV-Vorstand Schackmann-Fallis: "Vor allem die exportorientierten Industrien sind in Mitleidenschaft gezogen worden." Konsumgüter und andere binnenwirtschaftlich orientierte Branchen seien dagegen "relativ immun geblieben".
Rekordzahl an Insolvenzen erwartet
Die Wirtschaftsauskunftei Bürgel geht sogar von einer Rekordzahl an Insolvenzen im Jahr 2010 aus. Sie erwartet 37.000 bis 40.000 Firmenpleiten. Laut Bürgel haben 2009 fast 34.000 Firmen Insolvenz angemeldet. Das sind elf Prozent mehr als 2008. Allerdings seien Anfang 2009 noch bis zu 35.000 Insolvenzen erwartet worden. Als Hauptursache nennt die Wirtschaftsauskunftei die fehlende Liquidität und wirtschaftliche wie rechtliche Rahmenbedingungen wie etwa die noch nicht umgesetzt Insolvenzrechtsreform.
Der DSGV-Vorstand betonte, aus Sicht der Sparkassen sei keine Kreditklemme erkennbar. Er warnte aber davor, pauschal über alle Kreditinstitute hinweg die Eigenkapitalanforderungen zu erhöhen, da damit eine künstliche Verknappung des Kreditangebots drohte.
Bestenfalls Erholung – kein Aufschwung
Die mittelfristigen Konjunkturerwartungen von Finanzanalysten und institutionellen Investoren haben sich allerdings im Januar verschlechtert, das geht aus Zahlen des Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hervor. Den Experten zufolge dürften sich die Fahrzeugbranche sowie Konsum und Handel im kommenden halben Jahrrückläufig entwickeln.
Deutlich verbessert hättensich ihrer Ansicht nach die Geschäftsaussichten für den deutschen Maschinenbau. "Die Einschätzung der Finanzmarktexperten bestätigt, dass wir im Jahr 2010 bestenfalls eine Erholung, aber noch keinen Aufschwung bekommen. Der Weg aus dem tiefen Rezessionstal ist beschwerlich und lang," sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz.
Der ZEW-Konjunkturindikator gilt als ein wichtiger Stimmungsindikator der deutschen Wirtschaft. Befragt werden monatlich rund 300 Analysten und institutionelle Anleger.
ddp/ZEW/ree
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