Geschäftsideen
SH: Gründer 2010
Den richtigen Einstieg finden
Startvorbereitung Neu gründen oder einen Betrieb übernehmen? Für beide Wege gibt es gute Argumente. Entscheidend ist deshalb, wie Sie Ihre persönlichen Ziele am besten erreichen.Text Kerstin Meier Foto KD Busch
Neugründer wider Willen: Als der Einstieg in einen Familienbetrieb nicht wie geplant klappte, hat Maler- und Lackierermeister Thomas Rodens in Stuttgart sein eigenes Unternehmen gegründet.
Der erste Schritt ins Unternehmerleben en-dete für Thomas Rodens mit einem klassischen Fehlstart. Nach der Ausbildung zum Maler- und Lackierermeister und anschließender Weiterbildung zum Betriebsmanager im Handwerk stieg der heute 27-Jährige in einen Stuttgarter Familienbetrieb ein. Mit dem Ziel, diesen alsbald von den Inhabern zu übernehmen. Doch schon nach wenigen Monaten stellte sich heraus, dass die Vorstellungen des designierten Nachfolgers und der bisherigen Inhaber weit auseinander lagen. „Die Chemie“, so Rodens, „hat letztendlich nicht gestimmt.“ Um seine Ideen auch wirklich eins zu eins umsetzen zu können, gründete der Betriebsmanager im März 2008 schließlich sein eigenes Unternehmen: Handwerk mit Stil.
Der Betrieb versteht sich als Handwerksdienstleister, der seinen Kunden nicht nur ein Komplettpaket aus hochwertigen Innenausbauleistungen bietet, sondern sich zudem 100-prozentig an ihren Wünschen orientiert. Basis des Konzepts ist eine effiziente Betriebsführung, die Rodens dank seiner Zusatzausbildung zum Betriebsmanager von Beginn an etablieren konnte. Mit durchschlagendem Erfolg, wie die Zahlen belegen: Zwei Jahre nach der Gründung beschäftigt Rodens bereits sieben Mitarbeiter und erwirtschaftet knapp 500000 Euro Umsatz.
Starke Typen sollten gründen
„Wer selbst klare Vorstellungen von seinem Konzept hat, sollte auf jeden Fall neu gründen“, kommentiert Birgit Felden das Beispiel. Die Leiterin des Lehrstuhls für Betriebsnachfolge an der HWR-Privatuniversität in Berlin rät Einsteigern, die eigenen Vorstellungen und Ziele systematisch zu analysieren. Starke Persönlichkeiten, die sich elbst verwirklichen wollen, haben nach ihrer Erfahrung meist keine Lust auf Kompromisse. Die seien aber gerade bei Übernahmen unabdingbar. Im handwerklichen Familienbetrieb gehe es darum, das Lebenswerk des Inhabers zu würdigen und sich im Alltag mit den bestehenden Strukturen ein Stück weit zu arrangieren. „Wer unsicher ist, sollte vorher im Betrieb mitarbeiten“, so Felden. Denn nur als Interner könne man abschätzen, ob die Chemie passen könnte.
Die Statistik des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) scheint die These der Nachfolgeexpertin zu bestätigen: Von den jährlich 71000 zur Übergabe anstehenden Betrieben werden 54 Prozent von Familienmitgliedern oder Mitarbeitern übernommen, nur jeder sechste Nachfolger kommt von außen. Neben den unterschiedlichen Vorstellungen von Übergebern und Nachfolgern macht Felden dafür den generell größeren Finanzbedarf bei Übernahmen verantwortlich. Während Neugründer ihren finanziellen Einsatz weitgehend selbst bestimmen können, hätten Übernehmer mit dem Kaufpreis bereits einen festen finanziellen Klotz am Bein.
Maler- und Lackierermeister Thomas Rodens hat Erfahrungen auf beiden Gebieten gesammelt. Nachdem sein erstes Engagement als Übernehmer nicht funktionierte, hat er im Januar 2010 einen Malerbetrieb in Stuttgart gekauft. Diesmal lief alles reibungslos. Rodens weiß jetzt, worauf es ankommt: „Man muss den passenden Betrieb finden.“ -
kerstin.meier@handwerk-magazin.de
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