Privatvorsorge

19.03.2010
Geldanlage

„Den perfekten Inflationsschutz gibt es nicht“

Sechs Fragen zum Umgang mit der Geldentwertung an Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Bild: DigitalStock

handwerk magazin: Herr Nauhauser, der Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds hat kürzlich vorgeschlagen, das Inflationsziel von zwei auf vier Prozent anzuheben – also zuzulassen, dass die Verbraucherpreise weltweit pro Jahr um bis zu vier Prozent steigen dürfen, ohne dass Notenbanken gegensteuern sollen. Wo trifft uns das zuerst?
Niels Nauhauser: Subjektiv gesehen dort, wo wir noch alte Preise im Kopf haben. Viele machen Inflation ja daran fest, dass das Mittagessen im Restaurant oder das Bier in der Kneipe plötzlich mehr kostet.

Aber auch, wer sich nie Preise einzelner Produkte merkt, stellt fest, dass er mehr Geld ausgibt, wenn er dieselben Produkte in der gleichen Menge kauft wie sonst auch.

handwerk magazin: Und was kann man dagegen tun?
Nauhauser: Gar nichts. Als einzelner Verbraucher kann man die Inflationsrate ja nun mal nicht verändern. Manche Menschen kaufen sich eine Wohnung oder ein Haus, um steigenden Mietpreisen zu entgehen. Das kann sinnvoll sein.

Ist aber auch nicht pauschal zu empfehlen: Denn ob ein Immobilienkauf eine gute Idee ist, hängt immer auch von der persönlichen Lebens- und Finanzsituation ab.

handwerk magazin: Was ist denn überhaupt mit der Geldanlage? Man kann doch nicht einfach zusehen, wie das schwer verdiente Vermögen immer mehr an Wert verliert...

Nauhauser: Es schützt aber auch keine Anlageklasse für sich genommen Eins zu Eins gegen Inflation. Das wundert auch nicht, denn Inflation ist die Preisveränderung von Gütern und Dienstleistungen – und was soll man schon dagegen machen?

Bei inflationsindexierten Anleihen ist immerhin die Rückzahlung an die Inflationsrate gekoppelt. Aber in einem Szenario galoppierender Inflation oder gar bei einer Währungsreform dürfte selbst das nichts mehr nützen.

handwerk magazin: Aktien gelten als Sachwerte und damit als weitaus inflationssicher als Geldwerte. Heißt das, man legt sein Vermögen in Zeiten der Geldentwertung besser in Unternehmenswerten an?
Nauhauser: Es stimmt schon, dass Sachwerte wie Aktien, Immobilien oder auch Gold im Preis steigen können, wenn die Inflation zunimmt. Allerdings gibt es keine Garantie dafür. Und Verluste sind auch jederzeit möglich. Den perfekten Inflationsschutz gibt es also nicht.

handwerk magazin: Aber insbesondere Gold wird doch immer als sicherer Hafen bezeichnet.
Nauhauser: Die Steigerungen beim Goldpreis haben in den vergangenen 25 Jahren die Inflationsrate bei weitem nicht ausgeglichen. Allerdings verlief die Entwicklung des Goldpreises oft gegensätzlich zu den Vermögenspreisen. Insofern sollte es im Depot allenfalls als Beimischung enthalten sein und der Diversifikation dienen.

handwerk magazin: Wenn weder Aktien noch Gold vor Inflation schützen, und sogar die inflationsgeschützten Anleihen nicht unbedingt: Wie sichert man denn nun am besten das Vermögen?
Nauhauser: Über einen vernünftigen Vermögensmix. Damit lässt sich zumindest das Risiko großer Verluste reduzieren. Wer sowohl in Tagesgeld investiert als auch in Aktien, Anleihen, Immobilien und Gold, der kann stürmischen Zeiten gelassener entgegen sehen.

Weitere Informationen zur privaten Geldanlage auf handwerk-magazin:


Ressort Finanzen Privatvorsorge

5-Punkte-Vermögensplan: Die persönliche Anlagestrategie

Artikel: Vermögensplan für unruhige Zeiten

Meldung: Tagesgeld - Magere Zinsen

 
© handwerk-magazin.de 2012
Alle Rechte vorbehalten

Kommentare und Bewertungen Kommentar schreiben

Durchschnittliche Bewertung dieses Artikels: starstarstarstarstar (0 Bewertungen)
Ihre Bewertung dieses Artikels:

Zum Bewerten klicken Sie bitte auf die Sterne

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.

Aktuelle Ausgabe | 05/2012

Newsletter

zur Anmeldung

Meisterfrage

?
Wer ist für die Abklärung bzw. Genehmigung von Neu-, An- und Umbauten zuständig, die im Zuge einer Betriebsübernahme vorgenommen werden?

Zwangsversteigerungen

haus
Immobilien unterm Hammer
Buchverlosung: Mit Banken verhandeln
Buchverlosung: Mit Banken verhandeln

Was können Unternehmer tun, um eine starke Verhandlungsposition gegenüber ihren Kreditgebern aufzubauen? Das ist die zentrale Frage, die das Buch „Mit Kreditgebern auf Augenhöhe verhandeln“ von Unternehmensberater Carl-Dietrich Sander praxisgerecht und gut verständlich beantwortet. handwerk magazin verlost zehn Exemplare. mehr...

E-Postbrief: Briefe per Internet versenden
E-Postbrief: Briefe per Internet versenden

Briefe und Rechnungen sicher im Internet verschicken, das verspricht der neue Dienst der Deutschen Post. Leser von handwerk magazin können das jetzt testen. Wer mitmacht, kann ein iPad gewinnen. mehr...

Werbepakete zu gewinnen

handwerk magazin und die Deutsche Post verlosen drei Online-Werbepakete im Gesamtwert von 7500 Euro. Starten Sie durch mit der eigenen Kampagne. mehr...

Umfrage

Wie häufig nutzen Sie Apps auf Ihrem Mobiltelefon?

Lexika

B wie Bonität

Neben dem klassischen Kredit gibt es für den Mittelstand noch weitere interessante Finanzierungsalternativen – etwa Leasing.

Beliebte Downloads

02.08.2010

Zeugnis: Mustertext nutzen

Sie brauchen einen guten Mustertext für ein Arbeitszeugnis? Exklusiv für Leser von handwerk magazin ...

Zeugnis
02.08.2010

Lehrstelle statt Studium

Immer mehr Abiturienten beginnen ihre berufliche Laufbahn im Handwerk. Die Berufsausbildung sei inzw...

Checkliste Ausbildungsvertrag
06.08.2010

Zahlungsfristen sollen verlängert werden

Die EU will die Zahlungsfrist von 30 auf 60 Tage verlängern sowie eine Frist bei Abnahmen einführen....

Musterschreiben Mahnungen