W eniger Quantität, dafür mehr Qualität, so fasste handwerk-magazin-Verleger Alexander Holzmann das Ergebnis des Wettbewerbs „Top-Gründer im Handwerk“ zusammen. Auf der Handwerksmesse wurden die Gewinner mit insgesamt 10000 Euro ausgezeichnet:
1. Preis:Orthopädietechniker Andreas Kempa und Wolfgang Beu.
2. Preis:Schreinermeister Johannes Lange
3. Preis:Malermeister Thomas Rodens
Zum elften Mal wählte handwerk magazin, unterstützt von der Adolf Würth GmbH & Co. KG und der Signal Iduna Gruppe, die Top-Gründer im Handwerk.
Die Jury des diesjährigen Top-Gründer-Wettbewerbs bestand aus ZDH-Präsident Otto Kentzler, Franz Falk, Geschäftsführer Handwerkskammer Region Stuttgart, Carsten Röttgers, Vorsitzender der Handwerksjunioren, Dieter Münch, Leiter Marketing/Werbung der Adolf Würth GmbH & Co. KG, Joachim Krumm, Direktor der Signal Iduna Gruppe und Holger Externbrink, Chefredakteur von handwerk magazin.
Manfred Rycken, Vizepräsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, lobte alle drei Gründer, weil sie „nichts dem Zufall überlassen und ein schlüssiges Konzept entwickelt haben“. Gleichzeitig kritisierte Rycken, dass sich zu wenig junge Menschen selbständig machen. Hier seien die Preisträger wertvolle Vorbilder. Auch handwerk-magazin-Chefredakteur Holger Externbrink verwies darauf, dass im Handwerk seit Jahren die Neugründungen zurückgehen.
Übernehmen ist nicht einfacher
In einer Diskussionsrunde nach der Preisverleihung sagte Carsten Röttgers, Bundesvorsitzender der Junioren des Handwerks, schon in den Schulen müsste das Unternehmertum besser dargestellt werden, um wieder mehr junge Menschen dafür zu begeistern. Norbert Heckmann, Sprecher der Geschäftsleitung von Würth, lobte die hohe Eigenmotivation der Gründer. Dirk Schnittger von Signal Iduna ging auf die Risiken ein, die Gründer auf jeden Fall absichern sollten.
Einig waren die Diskussionsteilnehmer, dass eine Firmenübernahme nicht immer einfacher ist als eine komplette Neugründung eines Unternehmens. Oft sei es sogar einfacher, neu anzufangen, als einen bestehenden Betrieb umzukrempeln, sagte ZDH-Vize Rycken. ◇
reinhold.mulatz@handwerk-magazin.de
| | |
k 3. Preis: Thomas Rodens: Handwerk mit Stil
Mit 25 Jahren ein eigenes Unternehmen gegründet: Thomas Rodens hat mit seinem Angebot den Kundengeschmack getroffen.
Dritter Sieger ist der Maler- und Lackierermeister Thomas Rodens mit seinem Betrieb „Handwerk mit Stil“ in Stuttgart. Mit nur 25 Jahren machte Thomas Rodens vor zwei Jahren als einer der jüngsten Malermeister den Schritt in die Selbständigkeit, und das gleich mit einem ungewöhnlichen Konzept: Qualitativ hochwertige Komplettlösungen aus einer Hand rund um Gestaltung, Renovierung und Sanierung stehen dabei im Vordergrund. Kombiniert werden diese mit dem Dienstleistungsversprechen „Handwerk in time“, das absolute Termintreue garantiert. Ebenso erfolgreich führte Rodens ergänzende Angebote wie „Handwerk im Urlaub“ oder „Handwerk öko-logisch“ ein, mit denen er auf spezifische Kundenwünsche eingeht und dafür entsprechende Spezialisten-Teams zusammenstellt. Durch den Zusammenschluss und die Koordinierung einzelner Spezialisten zu einem leistungsstarken Team kann Thomas Rodens jetzt umfassende Handwerksleistungen anbieten. Derzeit beschäftigt Rodens neun Mitarbeiter und hat im Januar zusätzlich einen bestehenden Malerbetrieb übernommen. Mit seinen Mitarbeitern pflegt er ein Vertrauensverhältnis, das ihm sehr wichtig ist. Sie haben Einblicke in alle relevanten Bereiche im Betrieb. In Baustellenmappen, die Rodens für jedes Projekt an seine Mitarbeiter verteilt, sind Auftrag und Preise aufgeführt. So wissen sie über alles Bescheid und können sich sicher sein, fair und ehrlich behandelt zu werden. Derzeit bildet der Malermeister drei Lehrlinge aus.
|
|
|
|
k 1. Preis: Andreas Kempa und Wolfgang Beu: Ganz nah am Kunden
Eine Partnergründung in einer schwierigen Branche: Doch Andreas Kempa und Wolfgang Beu sind ganz nahe am Kunden und haben damit Erfolg.
Bandagistenmeister Andreas Kempa und Orthopädiemechanikermeister Wolfgang Beu haben ihr Unternehmen - die Orthopädietechnik Kempa & Beu – im Jahr 2007 in Möglingen bei Stuttgart gegründet. Sie stellen orthopädische Hilfsmittel in einer eigenen Werkstatt her, ihre Produktpalette umfasst individuell angepasste Fußeinlagen genauso wie Orthesen, Prothesen und Bandagen. Die beiden Gewinner im Top-Gründer-Wettbewerb sind 50 und 49 Jahre, man könnte sie als Spätzünder bezeichnen, denn sie haben zuvor lange Jahre als leitende Angestellte in einem Sanitätshaus gearbeitet. Im Jahr 2006 fassten sie den Entschluss, sich selbständig zu machen, ein Jahr später gründeten sie die Orthopädietechnik Kempa & Beu mit zwei Mitarbeitern. Heute beschäftigen sie neun Vollzeit- und drei Teilzeitkräfte. Ihr Erfolgsmodell: Die intensive, ganzheitliche orthopädische und rehatechnische Versorgung von Schwerstbehinderten. Bei Kempa und Beu wird zum Beispiel genau geprüft, ob ein Rollstuhl auch durch die Türen einer Wohnung passt, bevor er verkauft wird. Neben den ganz jungen Kunden haben die beiden Handwerker aber auch die älteren in ihr Geschäftsmodell einbezogen. In einer immer älter werdenden Gesellschaft häufen sich Geriatrieerkrankungen, die eine orthopädische und rehatechnische Hilfsmittelversorgung erfordern. Ein Markt mit besten Zukunftsaussichten, vor allem wenn man bedenkt, dass immer mehr Menschen auch im Alter noch sportlich aktiv sein wollen. Andreas Kempa und Wolfgang Beu hatten durch ihre mehr als 20-jährige Berufserfahrung, gepaart mit ständiger Weiterbildung in der modernen Orthopädietechnik beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Gründung. Sie verfügten über ein gutes Netzwerk zu den Kostenträgern, zu Ärzten, Therapeuten, Kliniken und Rehazentren. Entscheidend für ihren Erfolg ist aber, dass sie sich von Wettbewerbern abheben: durch Schnelligkeit, Flexibilität und mo-dernste technische Einrichtungen, verbunden mit einem regionalen und überregionalen kompetenten Dienstleistungsangebot. Die Zukunft sehen Andreas Kempa und Wolfgang Beu optimistisch, die Betreuung älterer Menschen werden sie ausbauen, und ein Kompetenzzentrum rund um den Fuß soll ihr Dienstleistungsangebot erweitern.
|
|
|
|
k 2. Preis: Johannes Lange: Schreiner für Schreiner
Eine Firmenübernahme in der Familie: Johannes Lange hat den Übergang mit neuem Schwung und einer gewinnbringenden Geschäftsidee geschafft.
Schreinermeister Johannes Lange hat den Betrieb in Ebermannstadt vor drei Jahren von seinem Vater übernommen. Aber Johannes Lange hat nicht nur übernommen, er hat ein neues unternehmerisches Konzept entwickelt und erfolgreich umgesetzt. Das Konzept nennt sich „Schreiner für Schreiner“. Lange hat erkannt, dass in seiner Branche immer leistungsfähigere Maschinen zum Einsatz kommen, die aber in vielen Betrieben nicht voll ausgelastet werden, wie es betriebswirtschaftlich sinnvoll wäre. Lange hat deshalb kräftig in einen topmodernen Maschinenpark investiert und bietet nun Schreinerbetrieben aus seiner Region an, bei ihm Plattenzuschnitte, Beschichtungen bis hin zu werkstattfertigen Möbeln auf Maß fertigen zu lassen. Die Reaktion ist beeindruckend. Waren es im Jahr 2006 noch 15 Aufträge von Schreinerkunden, sind es 2009 schon 155 gewesen, Tendenz steigend. Der Umsatz mit den Schreinerkunden hat sich im gleichen Zeitraum nahezu verzehnfacht. Die Leistungen für andere Handwerker waren nur durch erhebliche Investitionen möglich. Allein das neue Gebäude für den Maschinenpark kostete gut 200000 Euro, eine neue Plattensäge knapp 90000 Euro. Investiert wurde über die Hausbanken mit Hilfe von Fördergeldern. Die hohe Eigenkapitalquote der Schreinerei und das Vertrauen der Banken in das Unternehmen waren Voraussetzungen, dass die Investitionen ohne Probleme finanziert wurden. Das liegt sicher auch daran, dass der Betrieb in 160 Jahren Firmengeschichte noch kein einziges Jahr mit einem Verlust abgeschlossen hat.
|
|
|
|
|